Freitag, der 13.

veröffentlicht am 18. März, 2020

Freitag, der 13. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 1

Ich bin nicht abergläubisch. Niemand in meiner Familie ist es. Aber es ist seltsam, dass sich meine Tochter an ihren fünften Geburtstag wahrscheinlich auf besondere Weise erinnern wird.

Seit Wochen hat sie den Tag geplant. Sie hat Einladungen gebastelt und am Mittwoch vergangener Woche an ihre Kindergartenfreunde verteilt. Am selben Abend dann die Nachricht: Alle Schulen und Kindergärten in Italien sind ab sofort geschlossen. Wie bei vielen anderen galt mein erster Gedanke der Arbeit: »Wie bitte soll ich mich organisieren ohne Betreuungsplätze für meine beiden Kinder?«

Erst sprang die eine Oma ein. Dann setzte sich der Opa in Meran in seinen Wagen und machte drei Tage Schulaufgaben, Memory und Pasta. »Nicht doch alles ein bisschen übertrieben?«, fragten wir uns, lagerten wehmütig die Skier fürs nächste Jahr ein, weil die Skigebiete ad hoc die Schließung verfügten und tranken in der Bar einen Espresso.

Jetzt sind alle Cafés, Restaurants und Spielplätze im Land geschlossen, der Platz unter meinem Büro im Zentrum von Bruneck verwaist. In meiner Tasche liegen neben einer Tube Desinfektionsmittel die verschiedenen Genehmigungen, die alle Italiener mit sich führen müssen, wenn sie ihr Haus verlassen. Zur Arbeit, zum Einkaufen oder kurz Luft zu schnappen: Das ist der größtmögliche Radius.

Ob das alles nicht übertrieben ist, das fragt sich kaum noch jemand. Meine Tochter feiert ihren Geburtstag ohne ihre Freunde, die nur einen Steinwurf entfernt in ihren Häusern sitzen. Oma und Opa schalten sich per Video zur Feier zu.

Es ist Freitag, der 13. Und ich bin mir sicher, dass sie diesen Tag so schnell nicht vergessen wird.

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