Und wir so?

veröffentlicht am 18. März, 2020

Sonntag, der 15. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 2

Gestern habe ich mit Michael telefoniert. Er ist einer meiner liebsten Kunden, nicht nur, weil er den weltbesten Käse macht, sondern weil er mir darüber hinaus imponiert. Mit Anfang 20 hat er beschlossen, die Hofkäserei seiner Eltern total umzukrempeln und nur noch Käse aus Rohmilch herzustellen. Das heißt: mehr Aufwand. Und es erfordert: mehr Können. Michael hat es und darüber hinaus auch das Durchsetzungsvermögen, seinen Weg zu gehen. Jetzt empfängt beim Eggemoa in Mühlwald am Fuße des Reisnock eine architektonisch so ansprechende Käsemanufaktur mit Verkostungsraum die Besucher, dass sich Michael mit seinem Betrieb glatt bei Schöner Wohnen einnisten könnte.

Nur bestellen jetzt keine Hotels mehr seinen Käse.

»Aber kann er nicht inzwischen einfach vorproduzieren und die Produkte später verkaufen?«

Ja, kann er, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Denn irgendwann sind seine drei Käsekeller voll – oder die Reifezeit der einzelnen Käse überschritten. Dann wird Michael seine Produkte wegschmeißen müssen und mit steigender Sorge in seine Buchhaltung blicken. So wie andere Bauern, Handwerker, Hoteliere, Freiberufler. Wie wir alle.

Was können wir tun?

Lasst uns Südtiroler Produkte kaufen. Und damit meine ich nicht nur jene der Big Player, sondern auch das Angebot der kleinen Hofkäsereien und Bäcker und und und. Legen wir eine Bestell-Pause im Internet ein, in der Hoffnung, schon bald wieder in den regionalen Geschäften einkaufen zu können. Verbringen wir unseren nächsten Urlaub im eigenen Land.

Dann, wenn sich diese Situation gelegt hat. Für Michael und uns alle.

Foto: Gerd Eder

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