Nur mit beten wird das nichts

veröffentlicht am 7. Mai, 2020

Donnerstag, der 7. Mai im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 8

„Wir wissen, dass wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seit Jahren und Jahrzehnten nicht zufriedenstellend schaffen – wie soll es also jetzt funktionieren, wo auch noch Schulen, Kindergärten und Kleinkinderbetreuung geschlossen sind?”

Arno Kompatscher, 4.5.2020
salto.bz

Vaterunser, i colori, ä, ö, ü, 54-18=xy, lesen, singen, tanzen, springen, ausdrucken, ausfüllen, abfotografieren, zurückschicken. Was ist das doch für eine Zeit voller Erkenntnisgewinn, seit ich unterrichte oder das mache, was ich dafür halte. Nein, ich hätte Corona wahrlich nicht gebraucht, um zu schätzen, dass es Lehrer*innen gibt, und das liegt nicht in erster Linie daran, dass ich als Kind zweier Lehrer aufgewachsen bin.

Als mein Sohn letzthin einen Zahn verloren hat, dachte ich: Bis zur Erstkommunion nächstes Jahr wird das wieder. Er dachte an seine Klassenlehrerin. „Mami, schick ihr bitte gleich ein Foto, das muss ich ihr unbedingt zeigen.” Er vermisst die Schule, wer versteht das nicht?

Ich vermisse sie auch. Ich führe Interviews, während in einem anderen Raum um Lego-Klötze gestritten wird. Lobe Kind 1, das auf einem Blatt malt, motiviere Kind 2 den Lückentext auszufüllen und möchte nie wieder hören, dass unsere Politiker*innen sagen: „Eines möchte ich jetzt schon mal klarstellen…” Nein, sie sollen einfach tun.

Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, dass unsere Felle davonschwimmen und wir Frauen tatenlos dabei zusehen (und ihr Männer auch!).

Ich möchte nicht mehr hören, dass über Öffnung von Fußballstadien debattiert wird, bevor die Betreuungseinrichtungen öffnen.

Ich möchte ehrliche Worte, wie die unseres Landeshauptmanns, und dass trotzdem etwas passiert.

Ich will eine echte Perspektive. Nur mit beten wird das nichts, Mädels.

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