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Du fehlst, Zerina

veröffentlicht am 11. Mai, 2020

Montag, der 11. Mai im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 9

Es war ein Tag im November, ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich wusste, dass du an Krebs erkrankt warst. Mit gerade einmal 19 Jahren. Als ich über den Gilmplatz in Richtung Büro ging, ein paar Minuten vor unserem verabredeten Zeitpunkt, da sah ich ein Mädchen stehen und war mir sicher: Das bist du. Es war blass im Gesicht und sah sehr traurig aus. Ich bin nicht zu... weiterlesen

Nur mit beten wird das nichts

veröffentlicht am 7. Mai, 2020

Donnerstag, der 7. Mai im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 8

„Wir wissen, dass wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seit Jahren und Jahrzehnten nicht zufriedenstellend schaffen – wie soll es also jetzt funktionieren, wo auch noch Schulen, Kindergärten und Kleinkinderbetreuung geschlossen sind?”

Arno Kompatscher, 4.5.2020
salto.bz

Vaterunser, i colori, ä, ö, ü, 54-18=xy, lesen, singen, tanzen, springen, ausdrucken, ausfüllen, abfotografieren, zurückschicken. Was ist das doch für eine Zeit voller Erkenntnisgewinn, seit ich unterrichte oder... weiterlesen

Ohne Kunst ist alles nichts

veröffentlicht am 30. April, 2020

Donnerstag, der 30. April im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 7

Wenn ich ein Lied wählen müsste, das meine Gefühle in dieser Zeit am besten beschreibt, dann wäre es ein Walzer. Nicht irgendeiner – und zugegeben, ganz objektiv bin ich in der Wahl sicher nicht (ein Blick auf den Namen reicht). Bei diesem Lied ist es um mich geschehen, so wie eigentlich immer, wenn es nach Herbert klingt.

Es ist ein paar Tage her, da hat Herbert... weiterlesen

Und die Tage vergehen, langsam und zäh und unheimlich schnell

veröffentlicht am 16. April, 2020

Mittwoch, der 16. April im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 6

Der Tag, an dem du den Krankenwagen hast sehen kommen, vom Fenster aus langsam über die leere Straße, liegt drei Wochen zurück. Dieses Bild ist eingeprägt: Wie der Wagen hält, eine Frau und ein Mann in Schutzanzügen aussteigen und den Kranken zum Auto begleiten. Zusammen mit den Kindern rufst du noch einen Gruß nach unten, winkst und bleibst mit deinen Gedanken zurück.

Und du wartest. Du... weiterlesen

Der Klausberg ist auch sein Berg

veröffentlicht am 22. März, 2020

Sonntag, der 22. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 5

Meine Freunde und ich können den Blick nicht von ihm lassen. Der Gartner Franz steht wie ein Druide am offenen Feuer, vor ihm ein dampfender Topf, in dem vier grüne gefüllte Flaschen stecken. Er schenkt vier Tassen auf, dann noch einmal. Während Franz uns nach und nach alle mit dem Gebräu versorgt, genauer gesagt mit seinem »Ochsenblut«, erzählt ein Freund aus München, dass er seinen Patienten... weiterlesen

Risikogruppe. Mit fünf Jahren

veröffentlicht am 20. März, 2020

Freitag, der 20. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 4

Als Felix 2015 zur Welt kam, erfuhren seine Eltern Michi und Matthias, dass ihr Kleiner das Down-Syndrom hat und Leukämie. Nach Monaten voller Therapien kehrten die drei nach Toblach zurück – mit einem gesunden Kind mit unbändigem Überlebenswillen und geschwächtem Immunsystem.

Michi und Matthias schirmten ihren Sohn von der Außenwelt ab. Nicht, weil sie das wollten. Wie gerne hätten sie ihn nach draußen gebracht, in den... weiterlesen

Ina oder sieben Zentimeter

veröffentlicht am 18. März, 2020

Mittwoch, der 18. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 3

Gestern war mein Papa einkaufen. Drei Fleischkrapfln, eine kleine rote Mettwurst, sieben Zentimeter gewürzte Leberwurst. Hamstern sieht anders aus.

»Sieben Zentimeter?« wiederhole ich lachend im Videochat, der schon zur Routine geworden ist.

»Nicht für mich«, antwortet er, »für Ina«.

Ina, das ist die wohl bekannteste Chemikerin Südtirols. Eine Pionierin auf dem Gebiet, die erst ihr Wissen als Lehrerin weitergab und auch nach ihrer... weiterlesen

Und wir so?

veröffentlicht am 18. März, 2020

Sonntag, der 15. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 2

Gestern habe ich mit Michael telefoniert. Er ist einer meiner liebsten Kunden, nicht nur, weil er den weltbesten Käse macht, sondern weil er mir darüber hinaus imponiert. Mit Anfang 20 hat er beschlossen, die Hofkäserei seiner Eltern total umzukrempeln und nur noch Käse aus Rohmilch herzustellen. Das heißt: mehr Aufwand. Und es erfordert: mehr Können. Michael hat es und darüber hinaus auch das Durchsetzungsvermögen, seinen... weiterlesen

Freitag, der 13.

veröffentlicht am 18. März, 2020

Freitag, der 13. März im Lockdown-Gebiet Südtirol. Wie fühlt sich das an? Teil 1

Ich bin nicht abergläubisch. Niemand in meiner Familie ist es. Aber es ist seltsam, dass sich meine Tochter an ihren fünften Geburtstag wahrscheinlich auf besondere Weise erinnern wird.

Seit Wochen hat sie den Tag geplant. Sie hat Einladungen gebastelt und am Mittwoch vergangener Woche an ihre Kindergartenfreunde verteilt. Am selben Abend dann die Nachricht: Alle Schulen und Kindergärten in Italien sind ab sofort geschlossen. Wie bei... weiterlesen

Schon wieder so ein Lieblingsprojekt. . .

veröffentlicht am 4. März, 2020

Eine eigene Philosophie zu haben, das schreibt sich mittlerweile jedes Unternehmen auf die Fahne. Seit einem halben Jahr lerne ich zusammen mit Fotograf Gerd Eder das Universum des Annona kennen und weiß: Daniel Niederkofler und Michael Oberhollenzer haben wirklich eine.
Sie geht ungefähr so: Zusammen bewirtschaften die beiden sieben Höfe und zwei Almhütten. Sie produzieren Käse, Molke, Ricotta und verwenden diese in ihrer alpinen Küche. Sie setzen Fleisch auf die Speisekarte, wenn die Jagd erfolgreich war. Sie bringen die... weiterlesen